Donnerstag ist Lesepatentag

Am Donnerstagnachmittag hat Marie Chauveau aus Bonn einen ganz besonderen Termin: in der Bücherei der Christuskirche in Bad Godesberg warten schon der fünfjährige David und seine Mutter. Seit Anfang November trifft Marie sich einmal pro Woche mit David, um ihn als Lesepatin beim Erwerb der deutschen Sprache zu unterstützen.

David, der in den Kindergarten geht, kann zwar noch nicht lesen, aber er genießt es sehr, wenn Marie ihm Ritter- und Superheldengeschichten vorliest und sie anschließend im Spiel gemeinsam an seinem Wortschatz arbeiten. Die passenden Bücher und Spiele werden von der Bücherei bereitgestellt. Seine Lieblingsgeschichten kann er mittlerweile auswendig und spricht die Sätze mit, wenn Marie vorliest. Das freut die 18-Jährige besonders, zeigt es doch, wie viel Spaß David bei ihren wöchentlichen Treffen hat. Auch Davids Mutter, die mit ihrer Familie aus Rumänien nach Deutschland gekommen ist, freut sich über die Gelegenheit, ihr Deutsch im Gespräch mit Marie noch verbessern zu können.

Marie, die im Oktober 2017 an einer Lesepatenschulung der Büchereifachstelle teilgenommen hat, ist selbst zweisprachig aufgewachsen und weiß, wie wichtig häufiges Sprechen im Alltag ist. Sie mache beim Lesepatenservice mit, weil sie den Menschen helfen wolle, in Deutschland anzukommen, erzählt sie, und dass der Lesepatenservice so perfekt passt, weil sie ihre Zeit selbst einteilen und ihr Hobby, das Lesen, an andere weitergeben kann. Schon lange wollte sie sich für Flüchtlinge engagieren, hat aber nicht gewusst, wie sich am besten einbringen kann – bis sie vom Lesepatenservice erfuhr. Die Schulung zur Vorbereitung fand sie toll, auch wenn sie ein bisschen Angst hatte, dass sie aufgrund ihres jungen Alters nicht ernst genommen werden könnte. Mittlerweile empfindet sie es eher als Vorteil: „Ich komme nicht so lehrerhaft rüber, eher wie ein Spielkamerad“, erzählt sie, so habe der Fünfjährige keine Angst vor ihr und sei ganz gelöst, wenn sie gemeinsam arbeiten.

Wer selbst Spaß am Lesen habe, demjenigen kann sie eine Mitarbeit als Lesepatin oder Lesepate in der örtlichen Bücherei nur empfehlen: „Einfach ausprobieren und auf sich zukommen lassen, es ist die tolle Chance, jemand kennen zu lernen, der von woanders kommt.“

Text: Judith Schumacher
Foto: privat